Im Sturm des Lebens
Trotz größter Anstrengung kommen wir nicht vom Fleck
Das Kreuzen gegen den Wind wird im Segeln „lavieren“ genannt. Um gegen den Sturm anzukommen, müssen wir abwechselnd nach rechts oder links steuern – wir manövrieren, winden und schlängeln uns hindurch. Dieses „Segler-Latein“ hilft uns, unerklärliche Verhaltensmuster zu verstehen, die uns oft das Gefühl geben, trotz größter Anstrengung nicht vom Fleck zu kommen. Wir kommen nicht als unbeschriebenes Blatt zur Welt. Wir werden in eine stürmische Familien-Interaktion geboren. Schnell entscheidet sich, in welcher „Phase“ unser Nervensystem den Großteil der Zeit verbringt:
🟢 Die grüne Phase (Sicherheit / Ventraler Vagus)
Im Idealfall landen wir in einem sicheren Hafen. Hier ist das Nervensystem im Gleichgewicht. Wir gewinnen ein positives Selbstwertgefühl, fühlen uns zugehörig und sicher. In der grünen Phase ist unser „soziales Engagement-System“ aktiv: Wir können klar kommunizieren, lernen und heilen.
🟡 Die gelbe Phase (Gefahr / Sympathikus)
Doch oft finden wir uns im Sturm familiärer Dauerkrisen wieder. Unberechenbare Stimmungsumbrüche und Kritik versetzen uns in die gelbe Phase. Hier regiert der Überlebensinstinkt: Kampf oder Flucht. Das Lavieren beginnt. Wir versuchen diplomatisch, vorsichtig und wachsam, den heftigen Windböen auszuweichen. Es ist ein ständiger Balanceakt zwischen der Angst vor Trennung und der Angst vor Selbstverlust.
🔴 Die rote Phase (Shutdown / Dorsaler Vagus)
Wenn der Sturm zu gewaltig wird und weder Flucht noch Kampf (Lavieren) helfen, schaltet das System auf „Rot“. Das ist der Shutdown. Hier entstehen Gefühle von Ohnmacht, Leere und Resignation. Auch die „larvierte Depression“ gehört hierher: Der Körper zieht den Stecker, um das Überleben durch Erstarrung zu sichern.
Wenn das Lavieren krank macht
Lavieren ist ein instinktiver Schutzmechanismus. Wir „piesacken“ oder passen uns übermäßig an, um in einem unsicheren Umfeld Aufmerksamkeit oder Sicherheit zu erzwingen. Doch dieser dauerhafte Zustand in der gelben oder roten Phase hinterlässt Spuren. Es verwundert kaum, dass es diagnostisch die „Larvierte Depression“ gibt. Körperliche Beschwerden treten auf, ohne dass organische Ursachen gefunden werden:
- Beklemmung im Hals & Druck in der Brust
- Schwindel, Migräne & Tinnitus
- Reizdarm, Magenbeschwerden & Essstörungen
- Schlafstörungen & plötzliche Panikattacken
Diese Symptome sind oft „eingefrorene“ Echos aus Zeiten, in denen wir im Sturm lavieren mussten. Heute stehen wir als Erwachsene vor einem Haufen körperlicher Gebrechen, weil unser Stressverarbeitungssystem durch kreisende Erregungszustände überfordert ist.
Die subjektive Bewertung ist der Schlüssel
Nicht die äußeren Umstände allein erzeugen den Stress, sondern wie unser Nervensystem sie bewertet. Was uns in die gelbe oder rote Phase treibt, sind meist vier Faktoren:
- Kontrollverlust: Situationen nicht unter Kontrolle zu haben.
- Mangelnde Selbstkontrolle: Sich selbst nicht im Griff zu haben.
- Stagnation: Sich nicht entwickeln zu können.
- Isolation: Auf sich allein gestellt zu sein.
Der Weg zurück in die "grüne Phase"
Jedes noch so „schräge“ Verhalten war einmal ein kluger Versuch, gegen den Wind zu kreuzen, um nicht unterzugehen. Der entscheidende Schritt zur Heilung ist die Überwindung dieses alten Instinktes. Oft reichen bei chronifizierten Krisen kleine Impulse aus, um die alten emotionalen Muster zu „verstören“ und dem Nervensystem den Weg zurück in die 🟢 grüne Phase (Sicherheit) zu zeigen.
Möchten Sie den nächsten Schritt wagen?
Zögern Sie nicht, mich für einen ersten, kostenfreien Kontakt per Telefon oder E-Mail zu kontaktieren. Gemeinsam schauen wir, wie wir Ihr Schiff wieder in sichere Gewässer steuern können.
